Britta Thie
In Development
Buchvorstellung und Gespräch: Britta Thie & Simon Denny über Körper, Bilder und Technologie.
Ort: Kapelle, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Google Maps
Britta Thie, In Development, Buchcover, 2026.
Britta Thie malt Maschinen; Simon Denny malt mit Maschinen. Beide nähern sich Technologie aus unterschiedlichen Richtungen und untersuchen, wie technologische Systeme Bilder, Erzählungen und Wirklichkeiten hervorbringen und was es für die Malerei bedeutet, wenn Maschinen zunehmend selbst Bilder sehen und erzeugen.
Anlässlich von Thies neuem Buch In Development kommen die beiden Künstler:innen zusammen, um über Körper, Bilder und Technologie in einer Zeit tiefgreifenden technologischen Wandels zu sprechen.
Thie und Denny gehören zur letzten Generation, die sich noch an eine analoge Kindheit erinnern kann und mit dem Übergang ins Digitale erwachsen wurde. Während sich die Körper veränderten, vervielfachten sich im Netz die Möglichkeiten, wer man sein, wie man sich zeigen und mit wem man in Verbindung treten konnte. Chatrooms, Foren und frühe soziale Plattformen überwanden geografische Distanzen und eröffneten einen neuen Zugang zu Bildern, Musik, Information, Intimität und Identität. Für diese Gleichzeitigkeit persönlicher und technologischer Transformation verwendet Thie den Begriff der „digitalen Pubertät“.
Das Internet öffnete die Welt, besonders für Jugendliche außerhalb der großen kulturellen Zentren. Identitäten, die zuvor stärker an einen Ort gebunden waren, konnten sich plötzlich über geografische Grenzen hinweg entfalten. Doch mit dieser neuen Freiheit entstanden auch neue Formen der Verletzlichkeit. Intimität, Selbsterfindung, Sichtbarkeit, Überwachung, Vergleich und Cybermobbing kamen gleichzeitig. Wir lernten, wir selbst zu werden, während wir zugleich lernten, uns in Bilder zu verwandeln.
Von Y2K und dem Aufkommen sozialer Medien über den Post-Internet-Moment bis zur gegenwärtigen Beschleunigung durch KI begleiten technologische Umbrüche die Arbeiten von Thie und Denny und verändern immer wieder, wie Bilder, Identitäten und Wirklichkeiten entstehen. Diese Entwicklungen prägen Arbeiten wie Thies Translantics und Dennys Deep Sea Vaudeo. Heute stehen beide an einer neuen Schwelle: Als Eltern erleben sie, wie eine Generation heranwächst, für die die Grenzen zwischen analog und digital, zwischen menschlich und maschinell erzeugt, womöglich nicht mehr dieselbe Bedeutung haben werden.
William Kherbeks Essay Coming of Age Drama: Digital Puberty and the Works of Britta Thie, erschienen in In Development, nimmt diese Parallelität von körperlichem und technologischem Wandel zum Ausgangspunkt.
Fünfundzwanzig Jahre später stellt sich die Frage, ob wir erneut in eine Phase technologischer Adoleszenz eintreten. KI, maschinelles Sehen und synthetische Bilder ordnen unser Verhältnis zu Bildern und Wirklichkeit wieder grundlegend neu. Was bedeutet Coming of Age in einer Welt, in der auch die Maschinen erwachsen werden?
Eintritt frei. Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.